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DISZIPLINARORDNUNG DES TIROLER TENNISVERBANDES

ALLGEMEINES

1. Zweck der Disziplinarordnung ist es, in Angelegenheiten des Tennissportes die

Zuständigkeit und Verfahrensweise bei der Regelung von Disziplinarangelegenheiten

sowie Art und Ausmaß der Bestrafung festzulegen.

2. Diese Disziplinarordnung gilt für alle Mitglieder des TTV, dessen Funktionäre,

hauptberufliche und nebenberufliche Angestellte, alle beim TTV gemeldeten Vereine und deren Mitglieder.

I. DIZIPLINARANGELEGENHEITEN

A Vergehen allgemeiner Art sind insbesondere Verstöße gegen:

1. den sportlichen Anstand;

2. das Ansehen des Österreichischen Tennissportes und seiner Institutionen;

3. die Ehre und das Ansehen aller mit dem Tennissport befassten Personen;

4. die Wettspielordnung des TTV;

5. Satzungen, sonstige Anordnungen, Weisungen, Verträge oder Spielerstatuten des TTV

B Vergehen besonderer Art sind:

1. Vergehen der Spieler:

a) Verstöße gegen Verträge mit Pool, ÖTV und TTV, soweit nicht eine

     Disziplinarzuständigkeit des ÖTV besteht;

b) Spiele unter falschem Namen;

c) Unbegründete Nichtbefolgung der Berufung in eine Auswahlmannschaft;

d) Unberechtigtes Antreten.

2. Vergehen der Spieler, Vereine oder Funktionäre:

a) Bestechung – Strafe für den Spieler, Funktionär und Verein;

b) unzulässige Zuwendung (von Vereinsfremden) – Strafe für den Spieler, Funktionär und Verein;

c) Doping – Strafe für den Spieler und Funktionär

d) Falsche Beschuldigung (Bezichtigung eines unehrenhaften Verhaltens);

e) Irreführung des Vorstandes, des Disziplinarreferenten oder der Disziplinarkommission;

f) Nichtbefolgung einer Verbandsordnung oder Weisung;

g) Erstellen sowie Unterfertigen unrichtiger Spielberichte und die Eingabe unrichtiger

Ergebnisse im Internet.

Disziplinarangelegenheiten sind auch die Nichteinhaltung von Disziplinarstrafen, die

Nichtbezahlung von Verfahrenskosten oder anderen Geldstrafen (Pönalen).

Meinungsverschiedenheiten rein sportlicher Art sind keine Disziplinarangelegenheiten.

 

II. ALLGEMEINE BESTIMMUNGEN

1. Strafmündigkeit

Unmündige sind nicht strafbar.

2. Versuch und Anstiftung

Versuch und Anstiftung sind wie die vollendete Tat zu bestrafen.

3. Disziplinarstrafen

a) Verwarnung

b) Geldstrafen für Einzelpersonen und Vereine bis € 3.650,--

c) Turnier- und Wettspielsperre

d) Sperre für die Tätigkeit als Funktionär im Tennissport

e) Ausschluss

Geldstrafen können neben Sperren verhängt werden. Die Strafen zu c) und d) können

sowohl zeitlich begrenzt als auch unbegrenzt ausgesprochen werden. Ausschlüsse von

Vereinen unterliegen den Satzungen des TTV.

4. Mangelnde Strafwürdigkeit

Ist die Schuld des Disziplinarbeschuldigten gering und hat die Handlung keine oder nur unbedeutende Folgen nach sich gezogen, kann die Disziplinarverhandlung wegen mangelnder Strafwürdigkeit der Tat eingestellt werden.

5. Strafbemessung

Das Maß für die Höhe der Strafe ist die Schwere des Verschuldens. Bei der Strafbemessung sind die allgemeinen Grundsätze des StGB (§§ 32 bis 35 sinngemäß) zu beachten. Liegt mangelnde Strafwürdigkeit der Tat vor (sinngemäß Anwendung des § 42 StGB), kann von der Verhängung einer Strafe abgesehen werden.

6. Zusammentreffen mehrerer Vergehen

Liegen einem Beschuldigten mehrere Vergehen zur Last, so ist bei der Bemessung der

Strafe auf die übrigen Vergehen Bedacht zu nehmen.

7. Zusammentreffen von gerichtlichen oder verwaltungsbehördlichen strafbaren Handlungen mit Disziplinarvergehen.

Wurde der Spieler (Funktionär usw.) bereits gerichtlich oder verwaltungsbehördlich wegen einer Disziplinarangelegenheit verurteilt, so kann von der Verfolgung abgesehen werden, wenn anzunehmen ist, dass die Verhängung einer Disziplinarstrafe nicht

erforderlich ist, um den Spieler von der Begehung weiterer Vergehen abzuhalten.

8. Bedingte Verurteilung

Eine bedingte Verurteilung kann nur bei Vergehen nach I/A/I-5 ausgesprochen werden. Voraussetzung der bedingten Verurteilung ist das Vorliegen berücksichtigungswürdiger Umstände. Die Bewährungsfrist ist mit höchstens zwei Jahren anzusetzen, sie beginnt mit dem Tag der rechtskräftigen Entscheidung.

9. Widerruf der bedingten Verurteilung

Die bedingte Verurteilung ist zu widerrufen, wenn der Verurteilte innerhalb der

Bewährungsfrist neuerlich bestraft wird.

10. Verjährung

Ein Spieler darf nicht mehr bestraft werden, wenn gegen ihn nicht

a) innerhalb von 6 Monaten ab Kenntnis des Disziplinarreferenten oder

b) innerhalb von 3 Jahren (seit dem Zeitpunkt der Beendigung des Vergehens) ein Disziplinarverfahren eingeleitet wurde. Der Fristenlauf wird für die Dauer eines anhängigen Disziplinarstrafverfahrens gehemmt.

11. Der ordentliche Rechtsweg ist (ausg. zivilrechtl. Streitigkeiten) aus dem Vereinsverhältnis ausgeschlossen.

III. VERFAHRENSVORSCHRIFTEN

Allgemeines

1. Wirksamkeitsbeginn verhängter Strafen

Verhängte Strafen werden mit dem Tag der mündlichen Bekanntgabe und der schriftlichen Verständigung wirksam.

2. Tilgung

Jede Verurteilung ist 5 Jahre nach ihrer Verbüssung aus der Strafkartei zu streichen und bei der Strafbemessung nicht mehr zu berücksichtigen.

DISZIPLINARBEHÖRDEN

1. Disziplinarreferent

Der Disziplinarreferent entscheidet in 1. Instanz. Er und ein Stellvertreter werden von der Generalversammlung des TTV auf Grund eines Vorschlages des Vorstandes für die Dauer einer Funktionsperiode von 3 Jahren gewählt. Der Stellvertreter wird nur im Falle einer Verhinderung oder Befangenheit des Disziplinarreferenten tätig.

2. Disziplinarausschuss

A

ln 2. Instanz entscheidet der Disziplinarausschuss. Er besteht aus 3 stimmberechtigten Mitgliedern und 1 Ersatzmitglied, die auf Vorschlag des Vorstandes von der Generalversammlung des TTV für eine Funktionsperiode von 3 Jahren gewählt werden.
Bei Abstimmungen entscheidet die Mehrheit der Stimmen, Stimmenthaltung ist unzulässig. Im Falle der Verhinderung oder Befangenheit eines ständigen Mitglieds wird dieses durch das Ersatzmitglied ersetzt.

3. Disziplinaranwalt

Zur Vertretung der Interessen des TTV in Disziplinarangelegenheiten ist ein Disziplinaranwalt dem Verfahren beizuziehen. Dieser und ein Stellvertreter werden auf Grund eines Vorschlages des Vorstandes des TTV von der Generalversammlung des TTV für eine Funktionsperiode von 3 Jahren gewählt. Der Stellvertreter wird nur im Falle einer Verhinderung oder Befangenheit des Disziplinaranwaltes tätig. Der Disziplinaranwalt ist vom Anhängigwerden jedes Disziplinarverfahrens zu verständigen und sowohl vom Disziplinarreferenten als auch vom Disziplinarausschuss dem Disziplinarverfahren beizuziehen. Er ist berechtigt, Anträge zu stellen und Rechtsmittel zu ergreifen.

ZUSTÄNDIGKEIT

1. Der Disziplinarreferent wird tätig auf Grund von

a) schriftlicher oder telefonischer Anzeigen an den TTV;

b) Berichten von Oberschiedsrichtern bzw. Turnierausschüssen über Vergabe von gelben oder roten Karten;

c) Mündlichen oder schriftlichen Anzeigen, die im Sekretariat des TTV protokolliert und mit vollem Namen gezeichnet werden müssen;

d) Auf Grund von Anträgen des Disziplinaranwaltes;

2. Der Disziplinarausschuss ist als Rekurssenat zuständig für Rekurse gegen Entscheidungen des Disziplinarreferenten.

VERFAHREN

1. Vorerhebungen

Der Disziplinarreferent kann Vorerhebungen (Einholung von Stellungnahmen und Zeugenaussagen) führen.

2. Vereinfachtes Verfahren

Reichen die Ergebnisse der Vorerhebungen (Berichte, Anzeigen) zur Beurteilung aller für die Entscheidung wesentlichen Umstände aus, so kann ohne Anhören der Beschuldigten durch Strafverfügung entschieden werden. Ergibt sich aus der Anzeige, dem Bericht bzw. nach Vorerhebung kein Grund zur weiteren Verfolgung des Beschuldigten (allenfalls wegen Geringfügigkeit des Vergehens), ist das Verfahren mit Beschluss einzustellen. Gegen die Strafverfügung können der Beschuldigte und der Disziplinaranwalt, gegen Einstellungsbeschluss nur der Disziplinaranwalt binnen 14 Tagen Einspruch (schriftlich) erheben; sonst ist kein Rechtsmittel zulässig.

3. Mündliches Verfahren

Reichen die Ergebnisse für ein vereinfachtes Verfahren nicht aus oder wurde gegen die im vereinfachten Verfahren erlassene Verfügung bzw. gegen den Einstellungsbeschluss rechtzeitig Einspruch erhoben, so ist vom Disziplinarreferenten ein mündliches Verfahren durchzuführen. Ein solches hat überdies auf Antrag des Beschuldigten bzw. des Disziplinaranwaltes stattzufinden.

4. Ladungen

Zustellungen haben eingeschrieben zu erfolgen. Die Ladungsfrist beträgt mindestens 1 Woche.

5. Verteidiger

Der Beschuldigte kann sich selbst verteidigen oder verteidigen lassen (Rechtsanwalt oder sonst eine Person seines Vertrauens). Jedenfalls kann der Beschuldigte selbst immer Erklärungen im Verfahren abgeben.

6. Beratung und Beschlussfassung erfolgen geheim.

7. Entscheidungen

Die Entscheidungen sind in der mündlichen Verhandlung, unmittelbar nach der Beratung, zu verkünden. Sie sind schriftlich anzufertigen und zu begründen sowie mit einer Rechtsmittelbelehrung zu versehen.

8. Entscheidungsfristen

Der Disziplinarreferent soll binnen einem Monat nach Einlangen der Anzeige die Verhandlung anberaumen oder in einem schriftlichen Verfahren entscheiden.

9. Rechtsmittel

Gegen die Entscheidung des Disziplinarreferenten nach mündlicher Verhandlung ist Rekurs vom Beschuldigten bzw. Disziplinaranwalt zulässig. Die Rechtsmittelfrist beträgt 14 Tage ab Zustellung der schriftlichen Entscheidung. Der Postlauf ist nicht in die Rechtsmittelfrist eingerechnet. Der Rekurs ist mittels eingeschriebenen Briefes an das Sekretariat des TTV zu richten.
Der Disziplinarreferent hat unmittelbar nach Einlangen des Rekurses diesen an den Vorsitzenden des Disziplinarausschusses weiterzuleiten. Der Rekurs hat hinsichtlich Sperren und Ausschlüssen keine aufschiebende Wirkung, der Disziplinarreferent kann jedoch den Termin der Vollstreckung der Strafe aussetzen. Gegen die Entscheidung des Disziplinarausschusses findet kein Rechtsmittel statt.

10. Vollstreckung der Strafen

Die Vollstreckung der verhängten Strafe ist vom Disziplinarreferenten bzw. vom Vorsitzenden des Senates zu veranlassen und vom Sekretariat des TTV ungesäumt durchzuführen.

11. Verlautbarung der Strafen

Alle rechtskräftigen Strafen sind in ein vom Sekretariat des TTV zu führendes Strafregister einzutragen.

12. Kosten

Bei Freispruch oder bei Absehen von Bestrafungen trägt der TTV die Kosten des Verfahrens, ansonsten der Beschuldigte nach Maßgabe seines Einkommens. Sie betragen in 1. Instanz € 145,--, in 2. Instanz € 290,--. Sie sind binnen 14 Tagen nach Rechtskraft der Entscheidung an das Sekretariat des TTV einzuzahlen.

13. Begnadigung

Das Begnadigungsrecht steht dem Vorstand (2/3 Mehrheit des Vorstandes erforderlich) des TTV zu.

Innsbruck, 2012 02 07